Caffè sunshine

La Pavoni Professional Restauration

La Pavoni Professional Handhebelmaschine
La Pavoni Professional

Besser gesagt: Einer Pfauendame wieder das Laufen lernen. „Pfauendame“ werden die Handhebel-Maschinen des Traditionsherstellers La Pavoni (mittlerweile zum Saeco-Philips Konzern gehörend) liebevoll genannt. Meiner  Meinung nach eine überaus treffende Beschreibung, denn eine Pavoni kann perfekten Caffè produzieren, allerdings nur „wenn sie will“ und alle Umgebungsvariablen stimmen. Wenn man wie ich das Handwerk der Zubereitung eines guten Espressos von Grund auf lernen und die Zusammenhänge verstehen will und dabei nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“ lebt, ist eine Handhebelmaschine sicherlich der beste Weg…verbunden mit viel Arbeit und Vergnügen!

Über meine vor einigen Monaten aufflammende Liebe zu gutem Caffè und Cappuccino habe ich schnell gemerkt, dass ein wirklich guter Caffè nicht mit einem Melitta-Filter oder einem Vollautomaten produzierbar ist (bitte Caffè nicht mit Kaffee verwechseln), sondern eine Siebträgermaschine eine der Grundvoraussetzungen darstellt. Bei Siebträgermaschinen wird das (frisch gemahlene) Kaffemehl in einen sogenannten Siebträger gepresst und dieser dann in die entsprechende Maschine eingespannt. Mit dem richtigen Brühdruck und -temperatur steht so einem guten Espresso nichts mehr im Weg. Für eine ausführlichere Beschreibung verweise ich an dieser Stelle auf die Wikipedia.

Die Entscheidung zur Restauration einer alten Maschine gestaltete sich für mich relativ einfach: Die Anschaffungskosten für einen neue Siebträger beginnen bei vernünftigen Modellen um die 300 – 350 €, ein Preis der für „Das probier ich jetzt einfach mal“ doch relativ hoch ist. Gebrauchte Maschinen gibt es bereits ab rund 100 €, was sich für mich gleich deutlich besser angehört hatte.
Auf eine Pavoni viel meine Wahl dann ebenso einfach: Sie war das erste Angebot, dass auf mich vernünftig gewirkt hatte und nachdem ich in Foren gelesen hatte, dass diese Maschinen gut verarbeit sind, war der Preis von 90 € gegenüber einem Neupreis von rund 500 € das Argument zum Kauf.

Gute anderthalb Wochen später war es soweit: Das Hermes-Paket traf ein und ich freute mich aufs Auspacken. Dass in der Verkaufsbeschreibung von „geringen Abnutzungsspuren, Rostansatz am Fuß, Heizung ungetestet“ die Rede war hatte mich nicht vom Kauf abgehalten. Das Paket ging auf und schnell wurde mir klar was los war:

  • Unterseite des Fußes total mit Rost überzogen
  • Heizung defekt
  • Alle Dichtungen fehlend oder verschlissen
  • Komplette Elektrik fehlend

Ein Dichtungssatz wurde mir immerhin noch mitgeliefert. Dass eine Heizung alleine neu bereits 90 € kostet hielt mich aber nun auch nicht mehr von meinem Projekt ab, auf das ich mich bereits zwei Wochen gefreut hatte.

Also begann ich damit, alle Teile vorerst einmal auseinander zu nehmen. Glücklicherweise sind die Pavoni Maschinen nachwievor in fast unveränderter Bauform erhältlich; es gibt also viele Ersatzteilliste, Baupläne und Anleitungen! Perfekt für Anfägner wie mich also.

Nachdem ich alles bis auf Kessel und Kesselfuß zerlegt hatte, wurden die Teile erst einmal gründlich gereinigt, dabei kamen doch tatsächlich weitestgehend schöne Oberflächen zum Vorschein, tiefe Kratzer und ähnliches konnte ich (glücklicherweise) nicht entdecken. Bis dahin ging auch alles relativ reinbungslos, die Trennung von Kessel und Kesselfuß erwies sich allerdings als harte aufgabe, für die ich zwei komplette Abende Arbeit investieren müsste. Trick dabei ist, die Mutter auf dem Gewinde an der Unterseite des Fußes sanft herunter zu schlagen (am besten eine Kombination auf Hammer und zum Beispiel einer dickeren Stahlstange, die an der Mutter angesetzt wird). Dabei sollte man jedoch immer Vorsicht walten lassen, da die Teile aus Messing sind und somit auch verzogen werden können durch zu groben Umgang.

Nachdem die beiden Teile endlich getrennt waren, habe ich die alle stark verkalkten Teile wie den Kessel mit Zitronensäurelösung entkalkt. Im Drogeriemarkt gibt es neben diversen Entkalkern meist auch Zitronensäure-Granulat zum Selbermischen, aus meiner Sicht die beste Wahl um kostengünstig großflächig entkalken zu können. Damit die Chromoberfläche des Kessels nicht unnötig angegriffen wird, habe ich die Öffnungen des Kessels zuvor abgedichtet (Klebeband) und dann Zitronensäurelösung eingefüllt. Jeweils 2 Stunden gewartet und einige Male wiederholt bist der Kalk verschwunden war (Messingoberfläche sichtbar).

Neben den stark verkalkten Innenflächen der Bauteile stellte der Fuß mein größtes Problem dar. Der Rost, der sich großflächig an der Unterseite des Fußes angesetzt hatte konnte nach zwei Stunden Schrubben, Bürsten, Kratzen und Schleifen halbwegs entfernt werden. Da die Oberfläche dennoch stark angegriffen war, habe ich mich dazu entschlossen, alle verrosteten Teile mit einem Rostschutz-Hammerschlaglack in Silber zu streichen und somit den Rost so lange wie möglich zu beseitigen. Dass das freilich keine endgültige Lösung ist, ist mir dabei auch klar; die knapp 100€ für einen neuen Standfuß habe ich mir aber trotzdem gespart und Rost kann ich bisher keinen Erkennen 🙂

Für den Zusammenbau der Maschine habe ich mich wesentlich an der Anleitung von Espressomaschinendoctor.de orientiert, da hier alles ausfürhlich und verständlich erklärt wird; am besten einfach selbst ansehen und durchgehen! Einige Dichtungen sollten dabei geschmiert werden, was mich zu diesem Zeitpunkt etwas stutzig gemacht hatte, da Schmiermittel generell ja nicht lebensmittelneutral ist. Eine Ausnahme ist hier auf jeden Fall Hahnfett (gibts im Baumarkt), das ausdrücklich für Lebensmittel zugelassen und außerdem hitzebeständig ist.

Für den Bezug von Ersatzteilen kann ich drei Shops weiterempfehlen:

  • Azzarello in München: Sehr nette Eigentümer, die direkt im Laden nähe Rosenheimer Platz bisher alle Ersatzteile die ich benötigt habe (Heizung, 2er-Sieb, Messing-Kolben, Abtrofschale und Gitter, Dichtungen, Schrauben, Segeringe, …) alle vorrätig hatten und darüber hinaus sehr günstig sind
  • Espressomaschinendoctor.de: Guter Versandshop, der ein breites Sortiment zu günstigen Preisen hat.
  • Espressoxxl.de: Ähnliche wie espressomaschinendoctor sehr guter Shop, der ein großes Sortiment zu günstigen Preisen bietet.

Bevor ich ein kurzes Resumée zu meiner Arbeit gebe, hier noch einige Bilder vom Ergebnis (ursprünglich für einen Wettbewerb aufbereitet). Der zweite Cappuccino war im übrigen erstaunlich gut!

Caffè sunshine

Caffè sunshine
Bild 1 von 4

Nach der Restauration ein kleines Fotoshooting im Park

Metadaten

Kameratyp Canon EOS 500D
Blende F 6.3
Brennweite 38 mm
Belichtungszeit 1/60 Sek.
Datum/Zeit 1283282710

Für mich lieferte das Projekt genau das was ich wollte: Eine fordernde praktische Beschäftigung, bei der man über Funktion und Vielfalt einer Espressomaschine einiges mitnehmen kann. Von den Zerlege- und Pflegearbeiten profitiere ich mittlerweile auch bei der laufenden Reinigung, da ich beispielsweise weiß, wo sich Schmutz festsetzt und wie man ihn am einfachsten wieder wegbekommt, wo man schmieren sollte und wie die Maschine grundsätzlich funktioniert. Finanziell war es aus meiner Sicht wohl weniger rentabel. Rechnet man zu den Anschaffungskosten die Ersatzteilkosten, landet man schnell in einem Preissegment, wo man Pavonis fast neuwertig bekommt, ohne nur eine Schraube anrühren zu müssen. Nichtdestotrotz würde ich es jedem Bastler und experimentierfreudigen Person uneingeschränkt empfehlen!

Einige Daten:

  • Kosten: 90 € (Maschine) + ~250 € (Ersatzteile)
  • Zeit: ca. 20 Arbeitsstunden
  • Schwierigkeit: Für jeden machbar
  • Hauptprobleme: Trennung von Kessel und Fuß, Abdichtung von Heizungsflansch

3 comments on “La Pavoni Professional RestaurationAdd yours →

  1. Grüße Sie,

    hab eine Pavoni Professional bei der der Barrometerzeiger nicht mehr hochwill. kenn mich mit Technik nicht aus und weiß auch nicht wohin ich Sie zum Reparieren bringen könnte.

    Wohne in München.
    Meine Frage wäre nun wie viel eine Reparatur kosten würde bzw. ich überlege ob ich sie irgendwo verkaufen sollte.

    Vielleicht können Sie mir ja helfen,

    mit freundlichen Grüßen

    Konrad Wiedenhofer

    1. In München kann ich die Azzarello Handels GmbH empfehlen (nähe Rosenheimer Platz). Dort habe ich alle Ersatzteile für meine La Pavoni günstig bekommen; Erfahrungen zu deren Reparaturservice habe ich allerdings nicht (wird aber angeboten).

      Viele Grüße,
      Christoph

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