Surströmming – eine Delikatesse?

Höga Surströmming, per Auto aus Schweden importiert
Höga Surströmming, per Auto aus Schweden importiert

Interessiert hatte mich der schwedische „Stinkefisch“ schon länger…als mir dann ein Kollege anbot (vielen Dank noch einmal Jan!), mir eine Dose davon besorgen zu können, musste ich natürlich zuschlagen!

Sürströmming ist ein schwedisches Traditionsgericht. Genauer gesagt Heringe, die für einige Monate in Salzlake eingelegt werden, wo die Filets fermentiert werden. Im Anschluss werden sie in eine Dose verpackt, wo der Gärungsprozess bis zum traditionellen Verzehr am dritten Augustwochenende fortschreitet. Die Dosen, in denen das Gericht verkauft wird weisen dabei charakteristisch eine gewölbten Deckel auf, der durch die entstehenden Faulgase entsteht. Der Geruch des Fisches sollte dabei stinkend faulig und vergoren sein, was auch erklärt, warum man Berichten im Web zufolge sogar in einer Mietwohnung fristlos gekündigt werden kann, falls man eine Dose im Haus öffnet. Allerdings wird ohnehin von allen Seiten ausdrücklich davor gewarnt, eine Dose innerhalb eines Gebäudes zu öffnen, heitere Aussichten also..

Selbstverständlich wird auch in Schweden das Gericht nicht pur gegessen, geschweige denn frisch aus der Dose. Ausnahmen stellen wohl schwedische Jugendliche dar, unter denen es als besondere Mutprobe gilt, Surströmming direkt aus der Dose zu essen 🙂

Nach einem traditionellem Rezept wird der Fisch zusammen mit gehacken Zwiebeln, Mandelkartoffeln, Sauerrahm und tunnbrödklämma, einem schwedischem Brot gegessen. Da ich leider weder Mandelkartoffeln, noch schwedisches Brot zur Hand hatte, mussten selbst geerntete Kartoffeln und bayerisches Bauernbrot herhalten. Bevor ich mich dem Geschmack des bayerisch-schwedischen Joint-Ventures widme, erst noch ein paar Worte zur Dosenöffnung.

In gut 25 Meter Abstand vom Haus hatte ich mir im Garten, mit Wasserschlauch, Eimer, Edelstahlschüssel, Dosenöffner und Dose bewaffnet mein Lager aufgeschlagen. Um zu vermeiden, dass der Doseninhalt unkoordiniert durch die Lüfte spritzt, Eimer mit Wasser füllen, Dose rein und anstechen. Schnell wird klar: Sterben werde ich am Gestank nicht, auch wenn er keinesfalls angenehm ist. Zu Beginn erinnert er mich an Gülle, dann geht es tatsächlich in Richtung faulig vergoren.

Nachdem ich den Fisch einige Male abgespült habe, kommt tatsächlich ein Geruchsnote der Heringe zum Vorschein, verdeckt allerdings immernoch vom fauligen Geruch. So nebenbei: Ich wurde unlängst von den anderen Hausbewohnen wieder nach draussen verbannt, nachdem ich die Filets im Waschraum mit Wasser abgesült hatte…der Gestank war wohl also doch etwas „intensiver“, als ich es wahrgenommen hatte.

Die Heringe wässerte ich nun noch für ca. 30 Minuten in einer Edelstahlschüssel, damit ähnlich wie bei Karpfen die Fremdgerüche und -geschmäcker aus den Filets weichen. Dann war der große Moment gekommen, das Brot mit viel Zwiebeln, Kartoffeln, Sauerrahm, Salz/Pfeffer und zwei Heringen belegt, rein ins Vergnügen!

Kurz gesagt: Ich habs probiert! Mehr aber auch nicht; Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Vielleicht habe ich zu kurz gewässert, falsch gespült oder der Fisch war einfach schon zu lange gelagert; jedenfalls war der Geschmack fast identisch zum Geruch: Faulig! Von den Aussagen „Mild, Schmackhaft“, die man in Foren rund um das Thema liest keine Spur.

Man muss eben nicht alles probieren, das habe ich gelernt!

Oskars Surströmming geöffnet
Oskars Surströmming geöffnet

3 comments on “Surströmming – eine Delikatesse?Add yours →

  1. Du warst zumindest so mutig, was dich vom Anlieferer unterscheidet. 😉 Ich hab‘ vor Jahren surströmming probiert und fand ihn gar nicht sooo schlecht. Heutzutage pflege ich meine Beziehung zum fauligen Fisch nur noch als Importeur desselben für wagemutige Studenten in Deutschland.

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