ohne Worte

Bayern: Wer braucht schon Zukunft?

Union ohne Betrug geht nicht. Das sollte man nach den zig Jahrzehnten von bestmöglichst gebrochenen Versprechen begreifen.

ohne Worte

schreibt seyinphyin in den Kommentaren zu einem sueddeutsche Artikel zum Thema Lehrerstellen in Bayern. Denn zusätzlich zu der Nachricht der letzten Woche, dass abgeschlossene Referendare mit Bestnoten (in Bayern) nicht eingestellt werden wird jetzt klar, dass zusätzlich auch mal so nebenbei noch 830 Stellen gestrichen werden sollen. Eines dabei gleich vorab: Ich bin kein Lehrer, Referendar oder ähnliches und habe lediglich Freunde in diesem Kreis. Also:

Naja, okay..was sind schon 830 Stellen?

Wer sich das denkt, der sollte sich noch einmal fragen: Was sind schon 1600 Klassen mit mehr als 31 Schülern? Und noch einmal: Bei rund 347600 Schülern an Gymnasien in Bayern (Std. 2013/14)  sind das doch gerade mal 14,2%?!

Wen man sich dann ausmalt, dass das eigene Kind in einer dieser Klassen oder auch nur in einer Standardklasse (~26 Schüler) ist, wird man meist doch hellhörig. Mit 26 Jugendlichen ist man schon so bedient, dass keine Zeit für individuelle Förderung bleibt. Zum Vergleich: Finnland hat durchschnittliche Klassenstärken von 21 Schülern und wird gemeinhin immer als eines der besten Schulsysteme beschrieben. Aber das ist alles ja nur ein Teil der Geschichte; denn dass viele Rektoren Jahr für Jahr im Kultusministerium mehr feste Lehrkräfte anfordern ist ja bekannt. Dass diese nicht genehmigt werden auch.

Ein besseres Schulsystem mit ‚individueller Förderung jedes Schülers‘ ist doch das Ziel! (Zitat Wahlprogramm unserer Regierungspartei) Und wer das mit den tollen Schülerzahlen nocht nicht begreift, sollte sich einmal kurz die Unterrichtsstunden von Referendaren im Einsatzjahr sowie deren Verteilung verdeutlichen. Das Einsatzjahr ist im zweiten und dritten Halbjahr, wo Referendare selbstständig unterrichten lernen und sich einen Erfahrungsschatz für die spätere Lehrtätigkeit ansammeln sollen. Lehren lernen also! Vorgesehen sind dafür 11 Unterrichtsstunden (pro Woche), die man relativ gut ausarbeiten sollte und könnte.

Seit Jahren werden jedoch nicht 11, sondern meist 17 Stunden pro Referendar veranschlagt, also einfach mal pauschal die Hälfte mehr. Dass damit viele Junglehrer überfordert sind und darunter die Qualität der Unterrichtsstunden leidet versteht sich dabei von selbst (sorry liebe Refs, aber das ist Fakt). Weil Referendare zusätzlich nicht im Abitur eingesetzt werden dürfen, verschiebt man diese dann meist auf die niedrigeren Klassen und sorgt damit dafür, dass Kontinuität auch in diesen Jahrgängen verloren geht (jeder, der 2 Jahre lang jedes HalbJahr einen anderen Lehrer hatte, weiß wovon ich spreche). Die Regierung rechnet sich natürlich fein raus: Die 6 Bonusstunden, die jeder Ref aufbringt, können schnell umgelegt werden und so spart man mit 4 Referendaren eine zusätzliche Vollzeitstelle! Das alles auf den Rücken der Schüler, Lehrer, Eltern, und in eingigen Jahren wohl auch der Wirtschaft – aber das sieht man ja nicht wenn man nur in Legislaturperioden denkt.

Wenn man das Gesamtbild am Gymnasium mit (zu) vielen Stunden und zu wenigen Lehrern betrachtet fragt man sich, wie eine bessere Förderung, geschweige denn eine vernünftige Inklusion stattfinden soll. Immer noch wird unterschätzt, wie wichtig eine bestmögliche Bildung sein sollte und immer noch wird scheinbar ünterschätzt, wie stark das Niveau in bayerischen Gymnasien abgefallen ist (und das weiter tut).

Manchmal würde man am Liebsten selbst in die Politik gehen. Wenn aber diese Politik in Bayern die absolute Mehrheit holt, ist wohl Hopfen und Malz verloren.

Getan wird leider zu wenig…und obwohl der Vorstoß der freien Wähler zur Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 aus Schülersicht ein richtiger Schritt sein kann, ist damit das Problem zu weniger Lehrer- und Förderstellen nicht gelöst. Irgendwer müsste auch diese zusätzlichen Klassen vernünftig betreuen; dass die Wahlfreiheit kostenneutral (wie propagiert) durchgeführt werden kann ist dabei nicht nur unrealistisch, sondern auch falsch. Was ist so schlimm an Mehrausgaben für die Bildung, für die Zukunft unseres Landes? Für Wirtschaftsförderung (und Bankenrettungen) ist schließlich auch genug vorhanden.

 

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